Vulpecula Turris ist der lateinische Name für den Fuchsturm und damit wird ein weiteres Wunder von Jena bezeichnet. Der ursprüngliche Turm soll 71 Fuß hoch gewesen sein und nach Schmidt betrug  unten der Umfang ebenfalls 71 Fuß. Der Durchmesser im Inneren soll 6,5 Fuß betragen haben. Er ist heute in wieder aufgebauter und restaurierter Form noch vorhanden und wird mit dem umliegenden Gebäuden von der Fuchsturm-Gesellschaft bewirtschaftet und gepflegt.

Der Fuchsturm soll dabei der letzte Überrest der Burg Kirchberg sein, der ältesten der Burgen auf dem Hausberg. Die Burgen wurden 1304 zerstört, als Bürger der umliegenden Städten den ansässigen Raubrittern den Gar ausmachen wollten und der Turm (wohl der Bergfried von Burg Kirchberg) blieb danach noch stehen. Mittlerweile ist der Berg bewachsen und der Turm ragt über den Wald. Auf zeitgenössischen Zeichnungen und Bildern ist zu sehen, dass damals der Berg noch kahl war und der Turm daher noch imposanter gewesen sein muss.

Ludwig Bechstein widmet in seinem Deutschen Sagenbuch von 1853 dem Jenaer Fuchsturm einen weiteren Bereich und schreibt dessen Besonderheiten zusätzlich zu den Jenaer Wundern. Unter “Fuchstum und Fuchsname” beschreibt er die Geschichte des Turmes und erzählt auch, wie der Turm zu seinem Namen gekommen sein soll.

Auch heute ist der Turm noch ein beliebtes Ausflugsziel und auch die Gaststätte, die am Fuchstum seit vielen Jahren zu finden ist, lockt immer wieder Besucher auf den Berg.

Aktueller Blick auf den Fuchsturm (Drohne)

Wie der Fuchsturm zu seinem Namen kam

Leider gibt es keine offiziellen Hinweise, warum der Fuchsturm ausgerechnet diese Namen trägt. Es gibt dazu keine Dokumente oder Urkunden. Der Hausberg mit seiner langen Geschichte und gleich mehreren Burgen gibt ebenfalls keinen direkten Hinweis auf den Namen. Keine der Burgen trug den Fuchs im Namen und daher lässt sich nicht direkt ableiten, wie der Turm zu seinem Namen kam.

Zu Zeiten der Entstehung des Sinnspruchs der 7 Wunder von Jena muss der Turm aber bereits den Namen getragen haben. Man kann also zumindest ansatzweise eingrenzen, bis wann die Namensgebung erfolgt sein muss. Seit dem hat sich die Benennung erhalten, bis heute trägt der Turm den deutschen Namen Fuchsturm.

Bechstein führt in seinen Sagen den Namen auf einen Lehrer g zurück, der in den Anfangszeiten der Universität von einer Naumburger Schule an die Universität berufen wurde und auch im Sommer immer einen Fuchspelz trug. Das sorgt für Spott vor allem bei den Studenten und bald darauf trug nicht nur er den Spitznamen “Fuchs”, sondern auch alle neuen Studierenden. Die Bezeichnung wurde vom Lehrer, der von der Schule kam auf alle übertragen, die von einer Schule kamen, also auf alle neuen Studenten. Die “Füchse” waren danach die neuen Studenten, die gerade an der Universität neu eingeschrieben waren. Die Bezeichnung wurde dann in einem letzten Schritt auch auf den Fuchsturm übertragen, denndieser Ort war ein beliebtes Ziel für Initiation- und Aufnahmeriten für die neuen Studierenden.

Edmund Spiess dagegen sieht den Namensgeber im realen Fuchs. Die Tiere waren rund um Jena ein Ärgernis und richteten vor allem in den Weinbergen der Stadt viel Schaden an. Der Hausberg soll voll von Fuchsbauen gewesen sein und daher wurde der Turm bald der Fuchsturm genannt.

Einen dritte Variante leitet sich angeblich von Konrad von Wettin ab. Dieser wurde 1123 dort eingekerkert und in einem eisernen Käfig außen am Fuchsturm gefangen gehalten. Konrad hatte behauptet Heinrich der Jüngere, Marktgraf von Meißen, wäre gar nicht der rechtmäßige Graf, sondern ein Kind außerhalb der Erblinie. In der darauffolgende Fehde unterlag Konrad allerdings und wurde auf dem Fuchsturm (damal swohl nicht Burg Kirchberg) eingesperrt. Nach einem Jahr starb Heinrich allerdings und Konrad wurde qua Erblinie sein Nachfolger und daher wieder entlassen. Den Namen Fuchs soll Konrad im Volksmund bekommen haben, weil er wie ein Hühnerdieb versucht hatte, die Grafschaft seines Verwandten zu bekommen. Daher dann auch der Name des Turmes.

Diese Geschichte wird auch von Bechstein erwähnt, der sie aber nicht in den Zusammenhang mit dem Namen des Turmes bringt. Zumindest für Bechstein war Konrad von Wettin daher wohl nicht der Namensgeber des Turmes.

Eine weitere Deutung findet sich bei Karl Julius Weber. Dieser bezieht sich auf die biblische Geschichte von Simson, der mit seinen Schakalen (Füchsen) gegen die Philister ritt. Philister waren in Jena die Bürger  und die Füchse (also die neuen Studenten) mussten ihnen Streiche spielen.

Welche der Geschichten nun zutrifft oder ob es einen andere Herkunft des Namens gibt, bleibt bisher unklar, denn es gibt keine Dokumente, die den Namen belegen würden. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass sich passende Unterlagen dazu finden werden, dazu ist der Turm einfach zu unbedeutend für die Verwaltung und wurde über Jahrhunderte nur als Ruine gesehen und kaum öffentlich erwähnt. Adrian Beier (Geographus Jenensis) führt den Turm bei den Gebäude und Wahrzeichen von Jena beispielsweise gar nicht mit auf, auch wenn er sonst sehr sorgfältig mit anderen Gebäude außerhalb der Stadt umgegangen ist. Daher kann man wohl auch in Zukunft noch über die verschiedenen Namensgrundlagen spekulieren.

Geschichten um den Fuchsturm

Der Fuchsturm hat es nicht nur bei Bechstein in die deutschen Sagen geschafft, sondern auch bei den Gebrüdern Grimm wird der Berg erwähnt, allerdings mit einer anderen Geschichts.

In ihrem Sagenbuch findet man die Geschichte eines bösen Riesen, der am Strand der Saale gelebt hat und ein wildes und böses Wesen gehabt haben muss. Seine Mutter macht ihn oft Vorwürfe wegen seines wüstens Lebens und und einmal wurde er deswegen so wütend, dass er mit den Fäusten nach ihr schlug. Da zog ein Unwetter auf und mit Blitz und Donner wurde der Riese gefällt und file dort nieder, wo heute der Hausberg ist. Nach und nach bedeckte ihn die Erde und der Hausberg ist damit eigentlich ein Riesengrab. Nur ein kleiner Finger blieb unbedeckt und ragte weiter in die Luft: der Fuchsturm.

Fürstengraben um 1779 mit Fuchsturm im Hintergrund

Fuchsturm Jena als 3D Modell

(auf die Zahlen klicken für weitere Ansichten)

Der Fuchsturm in Versen

Oben auf des Hausbergs Rücken

Steht ein Turm, vom Alter grau

Über tausend Jahre drücken

Seinen festgefügten Bau.

Dabei sieht man eine Schenke,

Davon eine Flagge weht,

Oft ich meine Schritte lenke,

Dahin, wo der Fuchsturm steht.

Wenn dein Herz der Kummer drücket,

Deinem Haupte Unheit droht,

Wenn die das Verhängnis schicket,

Trübsal, Sorge, bittre Not,

Wenn verkünden düstre Zeichen,

Daß es über dir ergeht,

Laß dir eine Kanne reichen

Oben, wo der Fuchsturm steht …

Otto Engau, Jena

Die Historie von Fuchsturm und Hausberg

Nach der verheerenden Niederlage des Thüringer Reiches in der Schlacht an der Unstrut im Jahr 531 gerieten die Thüringer unter die dauerhafte Vorherrschaft der Franken. Die siegreichen Merowinger-Könige Chlothar I. und Theuderich I. legten den unterworfenen Thüringern eine demütigende Tributpflicht auf, die als „Schweinezins“ in die Geschichte einging. Diese Verpflichtung sah vor, dass die Thüringer jährlich 500 Schweine an die fränkischen Herrscher und deren Nachfolger zu liefern hatten. Diese enorme wirtschaftliche Last und symbolische Unterordnung blieb über fast ein halbes Jahrtausend bestehen und überdauerte den Wechsel von den Merowingern zu den Karolingern bis hin zu den Ottonen.

Erst fast 500 Jahre später bahnte sich eine Wende an. Mit dem Herrschaftsantritt des bayerischen Liudolfingers Heinrich II. im Jahr 1002 suchten die Thüringer Großen nach einem Weg, die ungeliebte Tradition zu beenden. Im selben Jahr fand auf dem strategisch bedeutsamen Hausberg bei Jena (wohl bei der Burg Kirchberg) ein entscheidender Akt statt: Die thüringische Elite, angeführt von Graf Wilhelm II. von Weimar, leistete Heinrich II. die formelle Huldigung. Im Gegenzug für diese Loyalitätserklärung und Anerkennung seiner Herrschaft erließ der König den Thüringern den jahrhundertealten Schweinezins. Damit endete die Zeit der thüringischen Tributpflicht gegenüber dem Gesamtreich, was die Integration Thüringens in das entstehende Heilige Römische Reich auf Augenhöhe festigte.

Die Bedeutung des Berges erkennt man vor allem daran, dass sich dort bis zu 4 Burgen gleichzeitig befanden. Die dortigen vier Burganlagen werden oft zusammenfassend als „Kirchberger Schlösser“ bezeichnet, was historisch jedoch unpräzise ist, da sie unterschiedliche Besitzer und Funktionen hatten. Von den originnalen Burgen ist wohl nur noch der Fuchsturm als ehemaliger Bergfried übrig.

Burg Erste Erwähnung Wichtige Besitzer / Nutzer Schicksal & Besonderheiten
Greifenberg 1156 Edelfreie von Greifenberg, Wettiner, Burggrafen von Kirchberg 1304 bei Belagerung stark beschädigt; 1345 an die Wettiner übergeben, danach verfallen.
Kirchberg I 937 (umstritten) Ottonische Kaiser (Pfalz), Burggrafen von Kirchberg Möglicher Standort einer Kaiserpfalz (Besuche von Otto I. & II.); im 12. Jh. Sitz der mächtigen Burggrafen.
Kirchberg II 13. Jh. Wettiner (Ministeriale) Standort des heutigen Fuchsturms; wurde 1304 verschont; verlor an Bedeutung nach Verlegung des Amtssitzes.
Wintberg 1279 Burggrafen von Kirchberg, später Wettiner Diente als Wohnschloss der Kirchberger; Funde eines Wohnturmes freigelegt; genutzt bis ins 14./15. Jh.

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