Schutzpatron der Jenaer Kirche ist der Heilige Michael, noch heute ziert sein Kampf mit den Drachen eine Fahne auf der Kirche und das Stadtwappen von Jena. In der Vision des Sehers Johannes (Offb 12,7 EU) besiegt der Erzengel Michael den Teufel in Gestalt eines Drachen und stößt ihn hinab auf die Erde:

„Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie hielten nicht stand und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“ 

Stattdessen geht der Drache wohl auf einen Studentenstreich zurück. Um 1600 herum sollen angeblich Studenten aus Tiergerippen ein Monstrum gebastelt haben. Dieses hatte 7 Köpfe und viele Füße. Zusammengehalten wurde es ebenfalls durch Tierhaut. Angeblich hatten die Studenten dieses Tier in den Teufelslöchern bei Jena gefunden und es war so echt, dass es in der Universitätsbibliothek aufbewahrt wurde. Draco ist damit auch das einzige Wahrzeichen, dass man transportieren konnte und es steht auch heute noch im Stadtmuseum Jena. Gleichzeitig gibt es rund um den Drachen aber recht wenig zu berichten.

Witziges Detail: In der Vergangenheit glaubten manche Reisende tatsächlich, das Skelett gehöre zu einer echten Bestie, die in der Nähe von Jena ihr Unwesen getrieben habe. Die Studenten befeuerten diese Gerüchte nur zu gerne.

Interpretation des Jenaer Stadtlogos von 1850.
Erzengel Michael tötet den Teufel in Drachengestalt.

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Edmund Spiess schreibt zumindest, dass er von einer Verwechselung ausgeht und das ursprüngliche Wahrzeichen möglicherweise eine echte Statue mit Drachen und dem Heiligen Michael gewesen sein könnte, die später erst durch Verwechselung zu dem Draco aus Tierknochen wurde. Das steht aber weitgehend ohne weitere Belege im Raum – aktuell ist der Draco auf jeden Fall der Drache aus dem Stadtmuseum und damit der des Studentenscherzes um 1600.

  • Konstruktion: Das Skelett besteht im Kern aus Draht, Holz und Tierknochen.

  • Haut: Die Oberfläche wurde kunstvoll mit Pergament, Gips und Leder überzogen, um eine organische Optik zu erzielen.

  • Köpfe: Die sieben Köpfe sind eigentlich die präparierten Köpfe von kleinen Wirbeltieren (vermutlich Marder oder Katzen), die auf die Drahtgestelle montiert wurden.

  • Körperbau: Besonders auffällig sind die menschlich wirkenden Arme und Hände, die dem Wesen eine groteske, fast dämonische Ausstrahlung verleihen.

Möglicherweise ist Spiess hier Opfer des Spruches an sich geworden. An vielen Stellen hat sich bereits gezeigt, dass im Sinnspruch nicht immer die eindrucksvollsten Wahrzeichen gemeint waren, sondern lokale Besonderheiten, die nicht jeder kannte. Das setzt sich möglicherweise auch beim Drachen fort, denn aufgrund des Stadtwappens denkt wohl jeder zuerst an den Drachen aus dem Wappen. Nur die Eingeweihten wußten um den Studentenscherz und konnte daher die wahre Bedeutung hinter Draco aufsagen. Damit erfüllt der Spruch seinen Legtimationszweck.

Fürstengraben in Jena mit städtischer und studentischer Gesellschaft (um etwa 1719)

Die Studenten und ihre Scherze

Karl Julius Weber findet für die Studenten in Jena in seinem Reisebericht zu Deutschland recht wenig gute Worte. Nach seiner Beschreibung herrschten “Wildheit und Unsittlichkeit” in Jena länger als anderswo und alles roch nach Tabak, Bier und Branntwein. Die Studenten zu dieser Zeit waren also eher verrufen.

Die Bürger der Stadt konnten selten ruhig schlafen, denn ständig rauften sich die Studenten und trieben “Fastnachts-Mummereien”. Besonders der Alkohol scheint ein richtiges Problem gewesen zu sein und Weber beschreibt, dass sich die Studenten eher die Bier-Studien widmeten und 20 Gläser für den normalen Studenten kein Problem gewesen sein.

Es war also eine wilde Studentenzeit in Jena und da verwundert es wenig, wenn die Studentenschaft auch auf grobe Scherze wie die mit dem Drachen kommt.

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